Was ist Wanderfeldbau? leichte Erklärung

Was ist Wanderfeldbau

Wanderfeldbau bezeichnet eine Form der Landwirtschaft, wie sie in waldreichen tropischen oder subtropischen Klimazonen entwickelt wurde. Heute wird in der Fachliteratur vor allem der englische Begriff „shifting cultivation“ benutzt. Diese Form der extensiven Landwirtschaft eignet sich nur für kleine Dorfgemeinschaften, die über eine große potentielle Nutzfläche verfügen. Die Siedlungsdichte für das Agrarsystem des Wanderfeldbaus beträgt ca. 10 Menschen pro Quadratkilometer.

Eine höhere Anzahl von Menschen ist mit dieser Nutzungsform nicht zu ernähren. Der Wanderfeldbau erfordert ein geringes technisches Niveau. Es reicht die Bearbeitung des Bodens mittels eines einfachen Grabstocks aus. Dafür sind die Erträge aus dem Wanderfeldbau gering.

Wegen der großen Fläche der notwendigen Waldgebiete sind Gemeinschaften, die die shifting cultivation nutzen dazu gezwungen, in regelmäßigen Abständen ihre Siedlungen aufzugeben. Der Wechsel der genutzten Waldfläche führt zu einem Wechsel des Siedlungsstandorts. Während der Wanderfeldbau früher als eine der Ursachen für die Zerstörung der tropischen Wälder angesehen wurde, gilt er heute als eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle Wirtschaftsform.

Vorkommen

Der Wanderfeldbau ist eine Reaktion auf die Qualität der Böden in tropischen Wäldern. Das Ökosystem des tropischen Waldes funktioniert nur durch eine zeitnahe Nährstoffnutzung. D.h. die absterbende pflanzliche und tierische Biomasse wird sofort als Nähstoffe wieder in den Nährstoffkreislauf eingebunden. Es findet keine Einlagerung der Nährstoffe in den Boden statt. Verschwindet der Wald, verschwindet kurzfristig auch die Fruchtbarkeit des Bodens. Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung über einen längeren Zeitraum ist nicht möglich.

Nutzungsform

Beim Wanderfeldbau werden Waldflächen von 0,5 bis 2 ha (zwischen 5000 und 20.000 qm) genutzt. Die zur Nutzung vorgesehene Fläche wird zunächst gerodet, wobei nur die Baumstümpfe im Boden zurückbleiben. Anschließend erfolgt die Brandrodung, d.h. die Fläche wird kontrolliert in Brand gesetzt. Die dabei entstehende Asche hat eine zweifache Funktion. Zum einen dient sie als Nährstoffreservoir, das in den Boden eingebracht wird. Die Bauern bearbeiten den Boden oberflächlich mit Hilfe von Grabstöcken.

Zum anderen wirkt Asche als chemischer Puffer und senkt den Säuregehalt des Bodens. Tropischer Waldboden ist extrem sauer und auch deshalb nicht zum Anbau von Nutzpflanzen geeignet. Die entstehenden „Waldlöcher“ werden von den Dorfgemeinschaften dann zwischen einem und drei Jahren zum Anbau unterschiedlicher Nutzpflanzen kultiviert. Im tropischen Regenwald ist die Qualität des Bodens bereits nach einer Anbausaison derart gesunken, dass kein weiterer Anbau möglich ist.

Die nährstoffarmen Böden in den tropischen Wäldern lassen nur eine sehr kurzfristige Nutzung zu. Wenn die Anbauphase zu Ende ist, wird das Feld aufgegeben und sich selbst überlassen, d.h. es liegt brach. Auf dem Anbaugebiet entsteht über die Jahre sog. „Sekundärwald“. Nach einer Erholungszeit von 15 bis 20 Jahren (kann auch je nach Klima abweichen) kann die Waldfläche erneut genutzt werden und der Nutzungskreislauf beginnt von vorne.

Folgen

Die Brandrodung des Regenwaldes erfolgt bei der Wanderfeldwirtschaft nur kleinflächig und kontrolliert. Es kommt also nicht zum Niederbrennen größerer Waldgebiete. Der Wald kann sich in der Zeit der Brache erholen. Allerdings findet eine „Degradation“ des Waldes statt, d.h. der entstehende Sekundärwald ist ökologisch von geringerer Qualität als der ursprüngliche Regenwald. Trotzdem ist in diesem Sekundärwald immer noch eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren zu beobachten.

Allerdings funktioniert das System des Wanderfeldbaus nur als Selbstversorgung für sehr kleine Dorfgemeinschaften, ohne Einsatz technischer Hilfsmittel, wenn eine ausreichend große Waldfläche zur Verfügung steht. Steigt die Bevölkerungszahl oder werden moderne technische Methoden der Landwirtschaft eingesetzt bricht das Nutzungssystem zusammen. Der Boden wird übernutzt und kann sich nicht mehr regenerieren. Was zurückbleibt ist eine landwirtschaftlich nicht mehr nutzbare Steppe.

Vor- und Nachteile

Der Wanderfeldbau ist eine angepasste, nachhaltige Art der Landwirtschaft. Heute leben ca. 250 Millionen Menschen weltweit von dieser Form der Landnutzung. Allerdings ist der Nutzertrag extrem gering. Für die Erzeugung einer Tonne Getreide müssen etwa 300 Tonnen Biomasse eingesetzt werden. Die Konkurrenz anderer Nutzungsformen und die steigenden Bevölkerungszahlen in den tropischen Waldgebieten, nehmen dem Wanderfeldbau seine Grundlage. Deshalb ist er weltweit auf dem Rückzug. Mit ihm verschwindet die traditionelle Kultur und Lebensform der indogenen Völker.

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